200 JAHRE KOENIG & BAUER – VOM HOCHDRUCK ZUM DIGITALDRUCK

Im August 2017 wurde die Koenig & Bauer AG (KBA) in Würzburg 200 Jahre alt. Aus der fränkischen Schnellpressenfabrik von 1817 ist ein international führender Drucktechnikkonzern mit einem einzigartig breiten Portfolio an Print-Lösungen entstanden.


Start-up in London

In London schufen Friedrich Koenig und Andreas Bauer 1812 mit der Erfindung der Zylinderdruckmaschine die Basis für den maschinellen Druck. Im November 1814 wurde «The Times» als erste Zeitung auf ihrer Doppelzylindermaschine gedruckt. Am 9. August 1817 unterzeichneten sie den Vertrag zur Gründung der Druckmaschinenfabrik Koenig & Bauer im Kloster Oberzell bei Würzburg. Die Haude und Spenersche Zeitung in Berlin vom 25.01.1823 war die erste auf Koenig & Bauer-Maschinen gedruckte Publikation auf dem europäischen Kontinent.

Die Pariser Juli-Revolution von 1830 überlebte das Unternehmen dank der 1828 in Münsterschwarzach errichteten ersten bayerischen Papierfabrik. 1833 verstarb Friedrich Koenig. Andreas Bauer und seine Witwe Fanny Koenig setzten sein Werk fort. Neue Maschinen wurden entwickelt und 1838 bereits die hundertste ausgeliefert. Junge Fachkräfte gingen weg und gründeten eigene Fabriken. So wurde das Kloster Oberzell zur Wiege des deutschen Druckmaschinenbaus. Die Gründerzeit der Firma ging 1860 mit dem Tod von Andreas Bauer zu Ende.

Soziale Errungenschaften lange vor der Zeit

Die beiden Söhne des Firmengründers, Wilhelm Koenig und Friedrich Koenig jr., traten 1849 und 1857 ein, modernisierten die Betriebsabläufe und führten soziale Neuerungen ein. Nach der 1855 gegründeten Fabrikkrankenkasse – sie existiert bis heute – entstand 1868 die Fabrik-Fortbildungsschule als Vorläuferin der heutigen Werkberufsschule. Das Fabrikstatut von 1873 definierte Rechte und Pflichten für Mitarbeiter und Vorgesetzte und begründete einen Fabrikrat – betriebliche Mitbestimmung vor über 140 Jahren.

Erste Rotationsmaschine von Wilhelm Koenig 1876.

1876: Ära des Rollendrucks beginnt

1875 begann die Ära der Rollendruckanlagen. Diese prägten in den folgenden 125 Jahren wesentlich das Geschäft von Koenig & Bauer. Die erste Rotation lieferte das Unternehmen 1876 an die Magdeburgische Zeitung, die erste Vierfarben-Rotation entstand 1888. Darüber hinaus beschäftigte man sich mit dem anspruchsvollen Banknotendruck, in dem das Unternehmen seit 150 Jahren Technologieführer ist. Neue Bogen- und Chromotypiemaschinen kamen hinzu. 1895 verliess die 5000. Schnellpresse das Werk.

1900: Expansion im neuen Werk

Wilhelm Koenig starb 1894. Albrecht Bolza, ein Enkel des Gründers, und Constantin Koenig, der jüngste Sohn von Friedrich Koenig jr., führten in der dritten Generation die Firma bis in die 1920er-Jahre. Da die alten Werke zu klein wurden, baute man 1901 eine neue Fabrik am heutigen Standort des Würzburger Werkes. Erste Illustrations- und Tiefdruckrotationen wurden geliefert, die Entwicklung der Bogenmaschinen vorangetrieben. Daneben gingen Prägepressen und Plattengiessmaschinen in alle Welt. Bei der Wiederherstellung abgerissener Auslandsbeziehungen nach dem 1. Weltkrieg erwarb sich Dr. Hans Bolza, ein Urenkel Friedrich Koenigs, grosse Verdienste. Er führte das Unternehmen von 1931 bis 1971 als Vorstandsvorsitzender durch turbulente Zeiten.

Zerstörung und Neubeginn

Im März 1945 zerstörten Bomben die beiden Würzburger Werke. 1946 begann der Wiederaufbau. Mit einem Grundkapital von 4,1 Mio. DM startete Koenig & Bauer 1949 nach der Währungsreform in das deutsche Wirtschaftswunder. Ein wichtiger Meilenstein war der Eintritt von Dr. Hans-Bernhard Schünemann im Jahr 1951. 1959 adoptierte Dr. Hans Bolza den jungen Konstrukteur, der die Koenig & Bauer AG von 1971 bis 1995 als Vorstandsvorsitzender führte und neben seinen über 250 Patenten auch der Initiator der ab 1990 entstehenden KBA-Gruppe war.

Spitzentechnologie Im Rollen- und Bogenoffset

Im Würzburger Werk dominierten bald wieder die Rollendruckmaschinen für Zeitungen, Bücher und Illustrationen. Die Rollenoffset-Ära begann 1969 mit dem Koebau-Commander. Die erste Compacta-Akzidenzrolle wurde 1972 vorgestellt. Mit der Koebau-Rapida SR III präsentierte das Unternehmen 1974 eine 15 000 Bogen/h schnelle Bogenoffsetmaschine – Jahrzehnte vor allen anderen Herstellern. Keimzelle für die heutigen Hochleistungsmaschinen von KBA-Sheetfed war die 1992 von Würzburg nach Radebeul verlagerte Rapida 104. Mit bis zu 20 000 Bogen/h sind die KBA Rapidas bis heute die schnellsten Bogenoffsetmaschinen der Welt. Im Grossformat und Faltschachteldruck ist KBA-Sheetfed internationaler Marktführer.

KBA Cortina für den Hochqualitäts-Zeitungsdruck aus dem Jahr 2003.

Wachstum zum Konzern

Mit der Übernahme der Albert-Frankenthal AG in der Pfalz 1990 und der Planeta-Druckmaschinenwerke in Sachsen 1991 wurden die Grundsteine für den heutigen KBA-Konzern gelegt. Der Erwerb der De La Rue Giori S.A. in Lausanne sicherte KBA 2001 die führende Position im Banknotendruck. Der Kauf der Metronic GmbH öffnete 2004 den grossen Markt für Kennzeichnungssysteme.
Die Akquisition und Fusion von zwei Unternehmen im Raum Stuttgart zur KBA-MetalPrint GmbH machte KBA 2006 zur Nummer 1 im Blechdruck. Mit der Übernahme der Kammann Maschinenbau GmbH und der italienischen Flexotecnica S.p.A. kamen 2013 Drucksysteme für Glas-Hohlkörper und Folien-Verpackungen in den Konzern. 2016 erwarb KBA mit der Iberica S.A. einen spanischen Stanzenhersteller für Verpackungen.
Die Akquisitionen der letzten 14 Jahre galten hauptsächlich dem vielfältigen Verpackungsmarkt, der vom Wachstum der Weltbevölkerung, des Konsums und des Online-Handels profitiert.

Weltweit grösste Inkjet-Rotationen.

Fit@All für das dritte Firmenjahrhundert

Den bisher höchsten Konzernumsatz von 1,74 Mrd. €. erzielte die KBA-Gruppe 2006. Online-Medien und Finanzkrise liessen nach 2007 die Nachfrage für konventionelle Druckmaschinen einbrechen. Auch deshalb stieg Koenig & Bauer in den Digitaldruck ein und stellte 2012 mit der RotaJET seine erste Inkjet-Rotation vor. Heute werden die weltweit grössten Inkjet-Rotationen bei KBA- Digital & Web in Würzburg montiert.
Mit einem umfassenden Fit@All-Programm hat sich der älteste Druckmaschinenbauer 2014 und 2015 auf die Herausforderungen der Digitalisierung im 3. Firmenjahrhundert vorbereitet und 2016 bei knapp 1,2 Mrd. € Umsatz ein hervorragendes Konzernergebnis erzielt. Darüber hinaus hat die heutige Holding Koenig & Bauer AG mit einer neuen, dezentralen Konzernstruktur den Fokus auf Zukunftsmärkte verstärkt. Wurden zur Jahrtausendwende noch über 60 % des Umsatzes in von der Online-Konkurrenz bedrängten medienorientierten Printmärkten erzielt, kommen heute 90 Prozent der Erlöse aus dem Verpackungsdruck, Sicherheits- und Digitaldruck.
Die Geschichte von Koenig & Bauer ist eine Geschichte beeindruckender Menschen, faszinierender Maschinen und unkonventioneller Ideen. Generationen von Führungskräften, Mitarbeitern und Kunden haben daran mitgeschrieben.

Klaus Schmidt
klaus.schmidt@kba.com



 

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